Irschad

IGMG hält Schura in den Niederlanden ab – Beratungen über Herausforderungen und Grundsätze

11. Mai 2026

Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) hat in den Niederlanden ihre lang vorbereitete Schura (Beratung) abgehalten. Teilnehmende aus aller Welt kamen zusammen, um gemeinsam über die Herausforderungen, Grundsätze und die Ziele der Gemeinschaft zu beraten.

Das Eröffnungspanel moderierte Ramazan Başlık. Es sprachen die Leiter der Arbeitsgruppen, die den Vorbereitungsprozess maßgeblich mitgestaltet haben: der Länderkoordinator im Generalsekretariat Ünal Koyuncu, der stellvertretende Generalsekretär Murat Gümüş, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit Selçuk Çiçek sowie der stellvertretende Leiter der Irschad-Abteilung Burak Yılmaz. Sie stellten die bisherigen Ergebnisse und die zentralen Themen des Prozesses vor.

Acht Themenschwerpunkte im Mittelpunkt der Beratungen

Die Schura widmete sich acht Themenschwerpunkten, die jeweils unter eigenem Vorsitz beraten wurden. Der Leiter für Gemeindeentwicklung, Murat İleri, führte Vorsitz über die Arbeitsgruppe „Vom Samen zum Baum: Historische Entwicklung und Pionierleistungen der IGMG“. Der Leiter der Abteilung Kunst und Kultur, Ünal Ünalan, übernahm den Vorsitz der Arbeitsgruppe „Einheit in der Vision: Grundsätze der IGMG“. Der Leiter der Bilungsabteilung Dr. Abdulhalim İnam führte die Beratungen zum Thema „Säulen für die Zukunft: Institutionelle Struktur, Einrichtungen und Kooperationen der IGMG“. Die Frage der Außenwahrnehmung wurde unter dem Titel „Die Wahrnehmung der IGMG – Selbstverständnis und Fremdzuschreibungen“ von Sacit Dizman, dem Leiter der Verbandskommunikation der Region Hamburg, moderiert. Der Sekretär des IGMG-Gelehrtenrates Habip Yazıcı leitete die Arbeitsgruppe „Sexualität und sexuelle Identität“. Generalsekretär Ali Mete übernahm den Vorsitz zum Thema „Muslimische Minderheit in westlichen Gesellschaften“. Der stellvertretende Generalsekretär Murat Gümüş führte die Gruppe „Religionsfreiheit und Rassismus“. Mehmet Karaoğlu, Berater des Vorsitzenden, leitete die Beratungen zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe.


„Von Amerika bis Japan mit einer Stimme sprechen“

IGMG-Vorsitzender Kemal Ergün würdigte in seiner Ansprache das Prinzip der Schura als tragendes Fundament der über fünfzigjährigen Organisationsgeschichte. Ziel sei es, die Ergebnisse der acht Arbeitsgruppen in Grundsatztexten zusammenzuführen und so die Einheit in Handeln und Wort zu stärken.

Ergün erläuterte: „Zu Themen, mit denen wir immer wieder konfrontiert werden – politischer Islam, politische Beteiligung, Antisemitismus, Extremismus, Terrorismus –, haben wir uns vielfach positioniert. Da unsere Haltung aber bislang nicht in einem Grundsatztext zusammengefasst waren, konnten sie in den Gesellschaften, in denen wir leben, nicht immer richtig eingeordnet werden.“ Mit der Veröffentlichung der Schura-Ergebnisse solle nun organisationsweit – von Amerika bis Japan – eine gemeinsame Linie in diesen acht Themenfeldern geschaffen werden.

Schura künftig alle fünf Jahre

Ergün kündigte an, die Schura-Texte in verschiedenen Sprachen zugänglich zu machen. Zudem solle die Schura künftig alle fünf Jahre einberufen werden, um Organisationsstruktur, Arbeitsbereiche und gesellschaftliche Fragestellungen fortlaufend gemeinsam weiterzuentwickeln. Zum Abschluss benannte er drei Wesensmerkmale der IGMG:

  1. „Wir sind und bleiben eine zivilgesellschaftliche Organisation. Seit unserer Gründung haben wir daran keinerlei Abstriche gemacht. Einzelne Mitglieder mögen sich in unterschiedlichen politischen Zusammenhängen engagieren, doch an unserem zivilgesellschaftlichen Charakter haben wir nie gerüttelt.“
  2. „Wir stehen für eine Perspektive, die sich am Allgemeinwohl der Umma orientiert und haben auch hierin nie Abstriche gemacht. Wir sind eine Gemeinschaft, die nicht nach Herkunft unterscheidet. Bei uns gibt es keinen Unterschied zwischen einem Deutschen, einem Italiener, einem Franzosen, einem Kurden, einem Türken, einem Pakistaner oder einem Bosnier. Jedes Verhalten, das diese Haltung untergräbt, ist für uns eine klare rote Linie.“
  3. „Was wir für uns selbst einfordern, fordern wir auch für andere ein. Wenn wir bei Anliegen, die uns betreffen, für unsere Rechte einstehen, dann müssen wir mit derselben Entschiedenheit reagieren, wenn Angehörige eines anderen Glaubens angegriffen werden oder ihnen Unrecht geschieht. Die Religionszugehörigkeit eines Unterdrückten ist belanglos, an seiner Seite zu stehen ist Pflicht – und Unterdrücker sind fern aller Religion.“

„Wir geben unserer Identität eine neue Klarheit“

Der Schura-Koordinator und Berater des Vorsitzenden Abdi Taşdöğen betonte, dass die Schura nicht nur der Richtungsbestimmung diene, sondern auch dazu, Identität und Zusammenhalt der Gemeinschaft mit neuem Leben zu füllen: „Mit dieser Schura gestalten wir nicht nur unsere Zukunft – wir finden zu einer gemeinsamen Stimme, geben unserer Identität Klarheit und gestalten unsere Organisation unter Beteiligung aller Mitglieder in einem offenen und inklusiven Geist weiter.“

„Unseren Weg im Licht von Koran und Sunna finden“

Generalsekretär Ali Mete verwies auf die Herausforderungen der Gegenwart und bezeichnete die Schura als eine bewusste Willenserklärung im Licht von Koran und Sunna: „In dieser bewegten Zeit historischer Umbrüche liegt unsere größte Verantwortung darin, uns an den Konstanten von Koran und Sunna zu orientieren. Die Schura greift die Veränderungen unserer Lebenswirklichkeit auf und gibt unserer Identität, unserer gemeinsamen Haltung und unserem Horizont eine klare Form.“

„Sich erneuern, ohne sich zu verlieren“

Murat İleri fasste das Anliegen der Schura so zusammen: „Wir wollen uns an die Gegebenheiten unserer Zeit anpassen, Einheit und Transparenz in Handeln und Wort schaffen und unsere Grundsätze im Einklang mit unserer Geschichte, unserer Gegenwart und unserer Vision beständig weiterentwickeln.“

Dreitägiges Programm erfolgreich abgeschlossen

Am zweiten Tag verteilten sich über 250 Teilnehmende auf acht Arbeitsgruppen und erörterten die Themen eingehend. Die Ergebnisse wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln bewertet und gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet. Nach drei intensiven und ertragreichen Arbeitstagen ging die Schura zu Ende. Die Teilnehmenden kehrten in ihre Länder zurück – mit dem Bewusstsein, gemeinsam einen wichtigen Schritt in eine neue Ära gemacht zu haben.

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