Freitagspredigt
Azan: der Ruf zur Zeugenschaft
23. Juli 2026
Verehrte Muslime!
Wir hören täglich die unterschiedlichsten Stimmen. Stimmen, die uns dazu aufrufen, noch mehr Geld zu verdienen, Stimmen, die uns zu Filmen und Spielen einladen und Stimmen, die uns an weltliche Sorgen binden. Doch inmitten all dieser Stimmen gibt es eine, die seit Jahrhunderten unsere Herzen erfüllt, unsere Seelen belebt und uns zu Allah ruft. Diese Stimme ist der Azan, der Gebetsruf. Der Azan ist mehr als eine Ansage der Gebetszeit. Er ist der Ruf zum Einheitsglauben, zum Tawhid. Er ist der Ruf zur Dienerschaft und ein Zeichen unserer muslimischen Identität. Der Azan ist ein Ruf, der uns zusammenführt und in unserer Hingabe zu Allah stärkt.
Auch die Geschichte des Azan ist voller Weisheit. In Medina war die Zahl der Muslime gewachsen, und die Prophetenmoschee war errichtet. Doch es gab noch kein Mittel, um die Menschen zum Gebet zu rufen. Die Gefährten berieten sich tagelang, und verschiedene Vorschläge wurden diskutiert. Da schenkte ihnen Allah ein besonderes Zeichen. Abdullah ibn Zayd (r) wurde der Azan in einem Traum gezeigt, und er berichtete dem Gesandten Allahs (s) davon. Unser Prophet bestätigte, dass dies ein wahrer Traum war, und er ließ Bilal Habaschi (r) den Azan rufen. Als der erste Azan in Medina erklang, begann nicht nur ein Ruf. Es begann eine Stimme des Imans, die bis zum Jüngsten Tag fortdauern wird.
Liebe Geschwister!
Über die große Bedeutung des Azan sagte unser Prophet (s): „Wüssten die Menschen, welche Wohltat im Azan und in der ersten Gebetsreihe liegt, so würden sie darüber durch Losen abstimmen.“[1] Unser Prophet (s) hat auch gesagt: „Jeder Mensch, jeder Dschinn, jeder Stein und jeder Baum, den die Stimme des Muezzins erreicht, wird am Tag der Auferstehung für ihn Zeugnis ablegen.“[2]
Liebe Geschwister!
Eine andere berührende Szene ereignete sich viele Jahre später. Nach dem Ableben des Gesandten Allahs (s) verließ Bilal al-Habaschi (r) Medina und rief lange Zeit nicht mehr zum Gebet. Als er nach Jahren nach Medina zurückkehrte, begann er auf die Bitte von Hasan und Husayn (r) hin wieder, den Azan auszurufen. Als er beim Morgengebet zu den Worten „Aschhadu anna Muhammadar-Rasulullah“ kam, dachten die Menschen in ganz Medina für einen Augenblick, der Gesandte Allahs sei zu ihnen zurückgekehrt, und die Menschen brachen ergriffen in Tränen aus. Denn diese Stimme rief ihnen nicht nur das Gebet in Erinnerung, sondern auch den Gesandten Allahs.
Es ist Sunna, während des Azan still zuzuhören, die Worte des Muezzins nachzusprechen und anschließend ein Dua zu sprechen. Unser Prophet (s) hat gesagt: „Wenn ihr den Muezzin hört, dann wiederholt, was er sagt.“[3] Und er hat uns die frohe Kunde gegeben, dass das Dua, das danach gesprochen wird, angenommen wird. Betrachten wir den Azan also nicht wie eine gewöhnliche Stimme. Bei jedem „Allahu akbar“ wollen wir über die Größe Allahs nachdenken. Bei jedem „Hayya alas-salah“ wollen wir spüren, dass unser Schöpfer uns zu sich ruft. Und bei jedem „Hayya alal-falah“ wollen wir uns erneut daran erinnern, dass der wahre Erfolg darin liegt, sich Allah zuzuwenden.
O Allah! Belebe unsere Herzen durch den Azan. Mache uns zu Menschen, deren Blick auf das Gebet und deren Ohr auf den Azan gerichtet ist. Mache uns zu Dienern, deren Leben von deinem Ruf und deiner Rechtleitung geformt wird. Amin!
[1] Buhari, Azan, 9; Muslim, Salah, 129
[2] Buhari, Azan, 5
[3] Buhari, Azan, 7; Muslim, Salah, 11











