Freitagspredigt

Gerechtigkeit und Verantwortung

18. Juni 2026 Koran Tasbih Rot
Koran Tasbih Rot

Verehrte Muslime!

Unsere Religion verlangt von jedem einzelnen Gläubigen, gerecht zu handeln und das Anvertraute treu zu bewahren. In der Gesellschaft soll kein Unrecht geschehen. Menschen sollen ihre gegenseitigen Rechte achten und eine Atmosphäre des Vertrauens soll herrschen. Im Koran heißt es: „Allah gebietet euch, die euch anvertrauten Güter ihren Eigentümern zurückzugeben, und wenn ihr unter den Leuten richtet, nach Gerechtigkeit zu richten.[1] Denn dort, wo das Anvertraute nicht geschützt wird, gerät die Waage der Gerechtigkeit aus dem Gleichgewicht.

 

Gerechtigkeit ist von grundlegender Bedeutung für die Gesellschaft. Sie ist die Stimme des Gewissens, die Grundlage des inneren Friedens und das Fundament des Vertrauens. Gerecht zu sein heißt, jedem das zu geben, was ihm zusteht. Es heißt, das Recht hochzuhalten, selbst wenn es gegen uns selbst spricht. Unser Prophet (s) hat uns eindringlich vor Unrecht gewarnt: „Hütet euch vor Unrecht! Denn das Unrecht wird am Tag der Auferstehung für den Unterdrücker zu tiefster Finsternis.[2]

 

Das Anvertraute ist nicht nur das Gut oder der Gegenstand, den uns jemand zur Aufbewahrung gibt. Unsere Familie, unsere Kinder, unsere Aufgaben, unsere Stellung, unser Wissen, unser Leben und die Gesellschaft, in der wir leben, unsere Religion und unzählige weitere Gaben sind uns als Anvertrautes übergeben worden. Mit all dem sollen wir gerecht und sorgfältig umgehen. Denn Gerechtigkeit ist nicht nur Sache derjenigen, die Verantwortung tragen. Sie ist die Aufgabe jedes Einzelnen von uns. Ein Vater seinen Kindern gegenüber, ein Arbeitgeber gegenüber seinem Angestellten, ein Angestellter gegenüber seiner Arbeit, ein Händler gegenüber seinem Kunden, ein Lehrer gegenüber seinem Schüler, ein Nachbar gegenüber seinem Nachbarn. Kurz gesagt: Jeder Mensch soll gegenüber seinem Schöpfer, seinen Mitmenschen und allem Erschaffenen das Recht wahren.

 

Liebe Geschwister!

Für all jene, die in jeder Lebenslage auf die Gerechtigkeit achten, gibt es in einer Überlieferung diese frohe Botschaft: „Diejenigen, die sich gegenüber den ihnen Anvertrauten, ihren Familien und denen, für die sie Verantwortung tragen, gerecht verhalten, werden bei Allah, an der Seite des Barmherzigen, auf Kanzeln aus Licht empfangen.[3]

 

In der Welt, in der wir heute leben, müssen leider unzählige Menschen unter Unrecht und Hunger leiden. Viele Bedrängte leben unter unwürdigen Bedingungen und haben nicht einmal Zugang zu sauberem Essen und Trinkwasser. Unsere Aufgabe ist es, den stummen Schrei dieser Menschen zu hören. Wir sollen ihren Anspruch auf Gerechtigkeit unterstützen und mit Verantwortungsbewusstsein für sie eintreten. Gerechtigkeit zu wahren bedeutet manchmal, ein Leben zu retten. Manchmal bedeutet es, sich dem Unterdrücker entgegenzustellen und an der Seite des Unterdrückten zu stehen.

 

Ein Gläubiger weiß, dass er für jedes Anvertraute vor Allah Rechenschaft ablegen wird. Unser geliebter Prophet (s) hat uns diesen schönen Maßstab guten Verhaltens gegeben: „Gib dem, der dir etwas anvertraut hat, das Anvertraute zurück. Und wer dich verrät, den verrate nicht.[4] Wer mit diesem Bewusstsein lebt, der greift selbst dann nicht das Recht eines anderen an, wenn ihm selbst Unrecht widerfährt.

 

Möge unser Herr uns zu Dienern machen, die das Anvertraute bewahren und sich niemals von der Gerechtigkeit entfernen. Âmîn!

[1] Sure Nisâ, 4:58

[2] Muslim, Birr, 56

[3] Nasâî, Âdâb al-Kudât, 1

[4] Tirmizî, Buyû, 38

 

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